Zwei von drei Österreichern und Österreicherinnen sind aufgrund von Rückenschmerzen mindestens einmal in ihrem Leben in ärztlicher Behandlung. Diese Symptome sind für einen Gutteil der Patientinnen und Patienten durch einen schmerzhaften Bandscheibenvorfall bedingt. Viele Betroffene verspüren plötzlich intensiv stechende Schmerzen im Bereich der Wirbelsäulen und in den Extremitäten. Einige bemerken den Bandscheibenvorfall aber auch nicht, da dieser auch symptomlos und ohne Schmerzen auftreten kann. Doch was bedeutet die Diagnose eines Bandscheibenvorfalls für Betroffene und ist eine Operation notwendig?
Entdecken Sie hier die Ursachen und Symptome eines Bandscheibenvorfalls und erfahren Sie, wie Sie einem Bandscheibenvorfall vorbeugen und behandeln können. Holen Sie sich außerdem alle Informationen zur Therapie und entdecken Sie vorbeugende und kräftigende Übungen.

Diese Ursachen führen zu einem Bandscheibenvorfall

Zuständigkeitsbereich der Bandscheibe

Eine Bandscheibe ist eine knorpelige Verbindung zweier Wirbelknochen der Wirbelsäule. Die Bandscheibe ist dafür verantwortlich, dass durch Sport und Bewegung ausgelöste Stöße und Erschütterungen abgefedert werden. Sie dient also als Puffer zwischen den Wirbelknochen. Denn ohne unsere Bandscheiben wäre unsere Wirbelsäule völlig steif. Bandscheiben sorgen dafür, dass sich die einzelnen Wirbelkörper problemlos gegeneinander bewegen.

Aufbau der Bandscheibe

Eine Bandscheibe besteht einerseits aus einem Faserknorpelring (Anulus fibrosus), andererseits aus einem weichen Gallertkern (Nucleus pulposus). Der Bindegewebsring umschließt den Bandscheibenkern und verhindert so, dass Gallertkernmasse austritt. Der Faserknorpelring ist mit einem vorderen und einem hinteren Längsband verbunden, welches entlang der Wirbelsäule verläuft.

Aufbau der Wirbelsäule

Porosität der Bandscheiben

Mit zunehmendem Alter kann es passieren, dass sich erste Abnutzungserscheinungen der Bandscheiben zeigen und der Bindegewebsring porös und spröde wird. Außerdem speichert der Gallertkern immer weniger Feuchtigkeit, was dazu führt, dass er kleiner und härter wird. Ebenso kann sich der Abstand zwischen den Wirbelknochen zunehmend verringern, was eine Lockerung des Bandapparats auslöst. Dadurch wölbt sich der Bindegewebsring (Diskusprotrusion) und kann im schlimmsten Fall sogar reißen. Durch die Öffnung treten Teile des Gallertkerns aus. Die Folge: ein Bandscheibenvorfall.

Die „verletzten“ Bandscheiben drücken auf das Rückenmark oder die Spinalnerven der Wirbelsäule. Die Vorstufe des Bandscheibenvorfalls ist die Bandscheibenvorwölbung (Diskusprotrusion) ohne Einriss. Hier bleibt der Faserring der Bandscheiben intakt und es kann keine Gallertkernmasse austreten. Doch auch diese Vorstufe kann große Schmerzen bereiten, da die Vorwölbung ebenso gegen Rückenmark oder Nerven drückt.

Ein Bandscheibenvorfall kann grundsätzlich in jedem Bereich der Wirbelsäule auftreten. Bandscheibenvorfälle ereignen sich aber in den meisten Fällen im Bereich der Lenden- und Halswirbelsäule. Selten ist die Brustwirbelsäule betroffen.

Körperliche Überlastung strengt die Bandscheiben an

Etwaige Ursachen für einen Bandscheibenvorfall können körperliche Über- oder Fehlbelastung sein, vor allem, wenn im Alltag oft schwer gehoben wird. Doch auch Büromenschen, die den ganzen Tag vor ihrem Computer sitzen, können Verformungen des Faserrings davontragen, da sie oft eine schlechte Sitzhaltung haben.

Fehlende Rumpfmuskulatur als Ursache

Eine der weiteren Ursachen für einen Bandscheibenvorfall kann eine schlecht ausgeprägte Rückenmuskulatur sein. In diesem Fall tragen Bänder und Gelenke den Wirbelkörper – die Stabilisation sollte aber durch Muskeln passieren. Es kann aber auch sein, dass körperlich stark belastete Menschen im Laufe ihres Lebens niemals an einem Bandscheibenvorfall leiden. Denn auch der genetischen Veranlagung kommt eine tragende Rolle zu.

Übergewicht als Ursache für einen Bandscheibenvorfall

Ebenso kann starkes Übergewicht oder eine Schwangerschaft verbunden mit einer starken Gewichtszunahme einen Bandscheibenvorfall auslösen. Ab dem 30. Lebensjahr leiden fast alle Menschen an ersten, degenerativen Veränderungen der Bandscheiben. Oft bleiben diese aber ohne Symptome und Schmerzen unentdeckt. Eine entsprechende Behandlung wird dadurch erschwert.

Die meisten Patienten mit einem Bandscheibenvorfall bekommen diesen zwischen dem 30. und 60. Lebensjahr. Vor allem im Alter zwischen 45- und 55 Jahren tritt die Erkrankung besonders häufig auf. Unfälle sind selten schuld an einem Bandscheibenvorfall.

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Wie viel Prozent der österreichischen Bevölkerung leiden mindestens 1x im Leben an Rückenschmerzen?
Symptome eines Bandscheibenvorfalls

Bandscheibenvorfall Symptome

Symptomloser Bandscheibenvorfall

Wie bereits erwähnt, kann ein Bandscheibenvorfall völlig ohne Symptome auftreten. In diesem Fall bleibt die Verformung der Bandscheiben meistens unbemerkt.

Druck auf die Nerven

Stechende Rückenschmerzen treten nur dann auf, wenn die deformierte Bandscheibe auf das Nervengewebe drückt. Zwischen den Wirbelknochen laufen die Nervenwurzeln aus, welche in die Haut, Organe und Muskulatur münden. Meistens sind die Schmerzen so intensiv und unangenehm, dass Betroffene sich in einer Schonhaltung fortbewegen. Die Muskeln rund um die betroffene Stelle sind stark angespannt und grenzen deshalb die Beweglichkeit ein.

Weitere Symptome eines Bandscheibenvorfalls

Zudem kommt es zu ausstrahlenden Schmerzen im Versorgungsgebiet der Nerven. In diesem Fall spricht man von einem radikulären Schmerz. Wenn die Halswirbelsäule betroffen ist, strahlt der Schmerz in der Regel in einen oder beide Arme aus.

Bei einem Bandscheibenvorfall der Wirbelsäule im Lendenbereich können sich die Schmerzen bis in die Beine und Füße ziehen. Dann gerät auch manchmal der Ischiasnerv unter Druck (Ischialgie).

Personen, die von einem Bandscheibenvorfall betroffen sind, fühlen auch oft beim Niesen und Husten ein intensives Stechen. Außerdem kann es zu Taubheit, Kribbeln und Muskelschwäche kommen, denn bei einer extremen Quetschung der Nervenwurzeln sind Muskelschwäche und Lähmungen oft die Folge. Kontaktieren Sie in diesem Fall sofort einen Arzt, denn diese Symptome müssen fachlich abgeklärt und eine entsprechende Behandlung durchgeführt werden.

Ein starker Druck gegen das Rückenmark kann auch Krämpfe zur Folge haben. Zudem können Gefühlsstörungen in Armen, Beinen, Anus und Genitalbereich auftreten sowie eine Lähmung der Darm- und Blasenschließfunktion. Bei einem Bandscheibenvorfall können auch Potenzstörungen als Symptom auftreten.

Diagnose eines Bandscheibenvorfalls

Diagnose eines Bandscheibenvorfalls

1. Schritt: Anamnese beim Arzt

Sie sollten unbedingt einen wirbelsäulenversierten Arzt, z. B. einen Orthopäden aufsuchen, wenn Sie stechende Rückenschmerzen bemerken. Ihr Arzt fragt Sie zuallererst nach Ihrer Krankheitsgeschichte (Anamnese).

Bei der Standarddiagnostik werden Ihre Extremitäten auf Reflexe, Kraft und Sensibilität getestet. Der Arzt kann anhand des Ursprungsorts der Schmerzen feststellen, welche Nervenwurzeln betroffen sind und durch Ihr Gangbild auf etwaige Lähmungen schließen.

Bildgebende Verfahren können Aufschluss geben

Zur genaueren Abklärung des Ursprungs der Symptomatik können bildgebende Verfahren helfen. Röntgenbilder zeigen aber nur Knochenschäden, Fehlstellungen und Beweglichkeitseinschränkungen.

Hilfreicher ist eine Computer- oder Magnetresonanztomografie (MRT), denn diese Verfahren zeigen den Schweregrad und die betroffene Stelle des Bandscheibenvorfalls. Der CT oder MRT Befund alleine ist allerdings nicht aussagekräftig genug. Er muss mit dem Beschwerdebild zusammenpassen!

Messung der Nervenschäden

Durch einen Bandscheibenvorfall entstandene Nervenschädigungen können durch die Messung der Nervenleitgeschwindigkeit erkannt werden. Hier eignen sich die Verfahren der Elektroneurographie und –myographie. Dabei wird die elektrische Spannung und Leitfähigkeit der Nerven in den Muskeln gemessen, dieses Verfahren ist jedoch in aller Regel nicht notwendig um die Schmerzsymptomatik zu objektivieren, sondern wird eher zur Abgrenzung von peripheren Nervenerkrankungen verwendet.

Differenzialdiagnostik als Ausschlussverfahren

Es gibt eine Reihe an Krankheiten, die eine ähnliche Symptomatik wie die des Bandscheibenvorfalls aufweisen, wie etwa Infektionen oder Durchblutungsstörungen der Beine. Durch eingehende Untersuchungsmethoden kann der Arzt beim Patienten diese Krankheiten als Ursache der Schmerzen erkennen und so einen Bandscheibenvorfall beziehungsweise eine Wirbelsäulenerkrankung ausschließen.

Ein Tumor als mögliche Ursache

Ein weiterer Grund für stechende Rückenschmerzen kann ein Tumor sein, welcher auf die Nerven drückt. Dies wird oft von Fieber, ungewolltem Gewichtsverlust und Nachtschweiß begleitet. Bei dem Verdacht auf einen Tumor müssen sämtliche diagnostische Möglichkeiten ausgenutzt werden!

einem Bandscheibenvorfall vorbeugen

Einem Bandscheibenvorfall gezielt vorbeugen.

Bewegung hilft

Damit es erst gar nicht zu stechenden Rückenschmerzen kommt, kann einem Bandscheibenvorfall mit rückenstärkenden Sportarten, wie Yoga, Nordic Walking, Wandern, Gymnastik, Schwimmen und Gerätetraining vorgebeugt werden. Durch die Bewegung reduzieren Sie einerseits Ihr Körpergewicht, andererseits stärken Sie die Rumpfmuskulatur. Achten Sie darauf, dass Sie beim Rückentraining immer auch Ihre Bauchmuskeln mittrainieren, da sich sonst Ihre Muskelstränge verkürzen. So kann es passieren, dass Sie sich eine dauerhaft schlechte Haltung antrainieren, was sich wiederum negativ auf die Bandscheiben auswirkt. Die Krankenkasse bietet einige Vorsorgekurse an, deren Kosten übernommen werden. Aber auch zuhause können Sie mit regelmäßigen Übungen Ihren Rücken und Bauch kräftigen und so Beschwerden vorbeugen. In unserer ABC Mediathek finden Sie viele Übungen zum Nachturnen.

Die richtige Haltung beim Sitzen

Ein weiterer Tipp: Sitzen Sie richtig! Ihr Bürostuhl sollte in der Höhe verstellbar sein und über eine einstellbare Rückenlehne, Sitzfläche und Armlehnen verfügen. Stellen Sie Ihren Schreibtischsessel auf Ihre individuelle Körpergröße und Bedürfnisse ein. Das kann einige Zeit in Anspruch nehmen, sollte aber auf alle Fälle getan werden. Ihrem Rücken zu Liebe!

Ein weiterer Tipp: Sie sollten stets aufrecht vor dem Computer sitzen. Das bedeutet aber nicht, dass Sie stundenlang in derselben Position verharren müssen. Bleiben Sie in Bewegung und verändern Sie Ihre Haltung immer wieder, indem Sie sich beispielsweise bewusst zurücklehnen. Beide Beine sollten stets fest auf dem Boden stehen. Überkreuzte Beine führen zu einer schlechteren Durchblutung der Beine und einer Verkrümmung der Wirbelsäule.

Legen Sie immer wieder kleine Pausen ein, in denen Sie entlastende Übungen durchführen. So lösen Sie Verspannungen und Verkrampfungen und entlasten Ihren Rücken.

Behandlung eines Bandscheibenvorfalls

Bandscheibenvorfall Behandlung und Therapie

Das können Sie bei akuten Problemen tun

Als Behandlung bei akuten Schmerzen in der Bandscheibe sollten Sie die Wirbelsäule entlasten. Bei Schmerzen im unteren Bereich der Wirbelsäule des Rückens empfiehlt sich ein Stufenbett.

Rehabilitations-Therapie statt Operation

In vielen Fällen kann ein Bandscheibenvorfall ohne Operation therapiert werden, denn bei richtig gestellter Diagnose und folglich richtiger Behandlung und Therapie verkleinert sich die aus der Bandscheibe ausgetretene Gallertmasse und gibt den eingeklemmten Nerv wieder frei. Patienten müssen sich körperlich schonen und eine vier- bis achtwöchige Rehabilitations-Therapie machen, welche eine Schmerz- und Physiotherapie inkludiert. In der Physiotherapie erlernen Patienten unter anderem hilfreiche Übungen zur Stärkung der Rumpfmuskulatur, die im Sinne eines rückenschonenden Lebensstils auch nach der Therapie im Alltag angewendet werden sollten. Bei der Schmerztherapie werden Schmerzmittel und Medikamente zur Muskelentspannung eingenommen. Dies erfolgt in Absprache mit einem Arzt.

Bandscheibenvorfall Operation als letzter Ausweg

Bei nicht eintreffender Linderung der Symptome ist für Patienten eine Operation der Bandscheiben oft die letztmögliche Lösung. Bei extremeren Formen des Bandscheibenvorfalls – etwa bei Lähmungen und Funktionsstörungen der Blase oder des Darms – ist eine sofortige Operation als Behandlung der Betroffenen unerlässlich. Ihr behandelnder Chirurg wird Sie intensiv über mögliche Risiken und Komplikationen aufklären. Dazu zählen Entzündungen, Nerven- und Gefäßschädigungen, Wundheilungsstörungen und Nachblutungen. Weitere Informationen erhalten Sie bei dem Arzt Ihres Vertrauens.

Der Besuch dieser Seite kann nicht den Besuch beim Arzt ersetzen.

Bauchmuskeltraining: Übungen gegen Rückenschmerzen

Mit stärkenden Übungen für Rücken und Bauch können Sie Rückenschmerzen effektiv bekämpfen. Entdecken Sie hier eine Übung für die Bauchmuskeln, die nicht nur kräftigt, sondern auch Rückenschmerzen im unteren Bereich des Rückens und der Wirbelsäule effektiv vorbeugt:

Weitere Fitness-Übungen für einen starken Rücken finden Sie in der Hansaplast ABC Mediathek.

Dr. Patrick Mader

Dieser Beratungs-Fachartikel wurde mit dem medizinischen Expertenbeirat von Dr. Patrick Mader (Facharzt für Orthopädie und orthopädische Chirurgie am UKH Lorenz Böhler Wien und im Ordinationszentrum Döbling) erstellt.

Rückenschonende Sportarten

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